Die eigene Außendarstellung des Restaurants Thai House in Lindau ist schon mal sehr selbstbewusst: Seit mehr als 20 Jahren ziert das Restaurant den Reichsplatz der Inselstadt, ein paar Schritte vom berühmten Seehafen entfernt. Das Haus rühmt sich selbst „exzellenter kulinarischer Köstlichkeiten“. Ja sogar Mitglieder des thailändischen Königshauses speisen hier, heißt es auf der Homepage.

Was man zu der Selbstbeweihräucherung zweifellos sagen kann: Das Thai House ist tatsächlich eine langgediente Institution und allgemein anerkannt. Mit der großzügigen Außenbestuhlung sitzt es sich bei guten Wetter sehr pittoresk vor der Kulisse des alten Rathauses. Im Innern sorgen plüschige Sitzauflagen in grün mit goldener Verzierung für komfortables Verweilen. Darüber hinaus wird einigermaßen sparsam mit asiatischer Dekoration umgegangen. Was am Tag dieser Aufzeichnungen allerdings stört, sind die starken Gerüche aus der offenen Küche. Man meint zeitweise, Frittierfett zu atmen. Vielleicht sollte man mal nach der Lüftung sehen. Davon abgesehen wirkt der geräuschvolle Umgang mit Töpfen und Kellen hübsch authentisch. Der Kellner gibt sich Mühe, den mittäglichen Ansturm zu bewältigen, arbeitet dennoch freundlich und aufmerksam.

Als Einstieg kommt die üppige Thai House Platte an den Tisch. Sie versammelt warme Vorspeisen für zwei Personen und bietet im Wesentlichen Frittiertes. Zum Beispiel hausgemachte kleine Frühlingsrollen, gefüllt mit Gemüse und Schweine-Hack, die fröhlich zu einer süß-säuerlichen Soße im Mund knuspern. Ebenso interessant wie schmackhaft: die sogenannten Tord Man Gung, so eine Art frittierte Fleischküchle auf Garnelen-Basis. Außen knusprig und innen saftig, der Geschmack zeigt Fisch und Krebstier. Die Spieße von marinierter Hähnchenbrust haben indes wenig Saft, die verschiedenen Gemüse im Knusperteigmantel machen in Verbindung mit den Soßen – darunter eine aus Erdnuss – einfach Spaß im Mund. 

Die Hauptgänge begleitet klebriger Reis, bei dem es sich vermutlich um Jasminreis handelt. Genau lässt sich das nicht sagen, weil er deutlich übergart wirkt. Eine hübsche Schärfe bringt der gebratene Tintenfisch in rotem Curry mit. Gewürzt ist er mit Thaibasilikum, begleitet von geschnittenen Bohnen und Paprika. Ein Gericht, das in seiner Zubereitung durchaus solide daher kommt. Der Tintenfisch ist aber wenig zart und bringt nicht eben viel Eigengeschmack mit. Im Gericht Panäng Gai spielen ebenfalls Kokosmilch und rotes Curry eine wichtige Rolle. Als Einlage verwendet das Restaurant leider trockene und sehr blasse Hühnerfleisch-Streifen, die weit hinter den Möglichkeiten des Geflügels zurückbleiben.

Das vielfältige Angebot ist durch die Verwendung viel frischen Gemüses angenehm leicht. Ob diese Art der thailändischen Küche tatsächlich des Königshauses würdig ist, muss der König im Zweifel aber selber entscheiden. Die sich selbst zugeschriebene Exzellenz muss das Thai House aber an der einen oder anderen Stelle noch nachschärfen.

Thai House Lindau
Reichsplatz 7
88131 Lindau
Tel. 08382-275345
www.thaihouse-restaurant.com

Tintenfisch an typischer Thai-Soße, in der sich Schärfe und Milde harmonisch verbinden.

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